Wann darf die gegnerische Haftpflichtversicherung hinsichtlich Entfernung auf eine markenungebundene Fachwerksatt verweisen?

Der Bundesgerichtshof lässt den Verweis des Gegner bezüglich einer kostengünstigeren Ausführung der Reparaturarbeiten eines unfallgeschädigten Kraftfahrzeuges dann zu, wenn die alternative „freie“, d.h. markenungebundene Werkstatt „mühelos zugänglich“ ist (BGH VersR 2010, 1096, 1097).

Es stellt sich daher  sich die Frage, wann eine solche Alternativwerkstatt noch „mühelos zugänglich“ ist und wann nicht. Abgestellt wird allgemein auf die Entfernung zwischen Wohnort des Geschädigten und Ort der Werkstatt.

So führt exemplarisch das AG Itzehoe (Urt. v. 4.8.2015 – 93 C 52//14) aus, dass dem Kläger eine Entfernung von 18 km noch zumutbar sei.

Als starre Grenze für die Zumutbarkeit hat das AG Darmstadt in ständiger Rechtssprechung (so auch AG Darmstadt,  Urt. v 17.6.2015 – 301 C 13/15) festgelegt, dass eine Entfernung von 20 km zwischen Wohnort und Werkstatt noch als „mühelos zugänglich“ i.S.d. Rechtsprechung des BGH aufzufassen sei.

Es lohnt sich folglich in vielen Fällen ungerechtfertigter Kürzung der Reparaturkosten durch eine Haftpflichtversicherung ein Blick in die Landkarte.

Weitere Gründe, die gegen einen Verweis auf eine „freie“ Werkstatt sprechen, etwa der Nachweis, das bisher immer markengebunden repariert worden ist, können Sie unserem nachfolgenden Blog-Eintrag entnehmen:

http://www.kreissl-morbach.de/blog/versicherungsrecht/abrechnung-der-fiktiven-reparaturkosten-teure-vertragswerkstatt-vs-guenstige-freie-werkstatt-148.html

 

 

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