STREET VIEW ODER: WORÜBER WILL ICH MICH MORGEN AUFREGEN?

„Google guckt über Gartenzäune“, „Gegen die Wand der Privatheit“, „Ist Google böse?“ – so oder so ähnlich lauten Presseartikel der vergangenen Wochen. Ganzseitig in der Form einer Anzeige stellt Google „5 Fragen zu Google und Street View“ und beantwortet sie sogleich. Warum ich mich damit beschäftige? Weil ich mich frage, ob ich nun nur alt geworden bin oder etwas nicht realisiert habe oder beides gilt.

Als junger Jurist habe ich – für unsere Provinz beachtlich – die Massen bewegt gegen die vom Staat verfügte, alles und jeden erfassende VOLKSZÄHLUNG. Dann war lange Ruhe, bis sich das worldwide web entwickelte und so manche datentechnische Neuerung mehr.

Wir zahlen also heute  vornehmlich mit Kreditkarten. Unsere Handys kann man orten. Es gibt grosse und kleine Lauschangriffe. Losgelöst vom persönlichen IQ ist „man“ Mitglied bei wkw, facebook, studi-vz, schüler-vz. Wir sind online-banker, bestellen Bücher und CD und Klamotte via Internet. Buchen Urlaub – online! Gucken über google-maps schon mal ins Hotel – und sollen uns jetzt worüber aufregen – über google-streeet view?

Selbst in der juristischen Fachpresse ist man sich nicht zu schade, über diesen Unsinn zu schreiben. Datenschützer kommen endlich wieder zu Wort. Die Widerspruchsfrist sei zu kurz. Mieter-  und Vermieterschützer – jeder aus seiner Sicht – haben etwas zum Thema beizutragen. Es sind dieselben  „Aufreger“, die gar nichts gegen videoüberwachte Bereiche in Innenstädten oder öffentlichen Gebäuden einzuwenden haben. Wir klinken und bei diesem „Aufreger“ aus. Die Welt ist vermessen – und wir mit ihr. Zu spät!  Es gibt keine Privatsphäre (mehr).

Jochen Kreissl

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